Auf einen Blick: Dieser Artikel bietet Dir eine aktuelle Übersicht der neu verlegten Stolpersteine und städtischen Erinnerungszeichen in unserem Viertel, damit wir die Schicksale unserer ehemaligen Nachbarn nicht vergessen. Du erfährst die konkreten Biografien hinter den Namen und bekommst eine Orientierungshilfe für einen Gedenk-Spaziergang durch die verschiedenen Ortsteile. Von der Ismaninger Straße bis hinaus nach Denning und Daglfing wird so die Geschichte Bogenhausens direkt vor Deiner Haustür greifbar.
Vielleicht ist es Dir auch schon passiert: Du gehst durch die Mauerkircherstraße, die Sonne steht tief – und plötzlich blitzt eine kleine goldene Tafel an einer Hauswand auf. Oder Du wartest am Herkomerplatz auf die Tram und bemerkst eine Stele, die von einem Menschen erzählt, der genau hier gelebt hat, bevor die Nationalsozialisten ihn verfolgten. Bogenhausen wird oft nur als wohlhabendes Nobelviertel wahrgenommen, doch diese stillen Mahnmale erzählen eine andere Geschichte: Das Unrecht geschah mitten unter uns – in prachtvollen Villen genauso wie in den Siedlungshäusern von Denning.
Was sich zuletzt getan hat: Stolpersteine und Gedenktafeln in Bogenhausen
In der Münchner Erinnerungskultur hat sich in den letzten Jahren einiges bewegt. Gunter Demnigs „Stolpersteine" durften in München lange nur auf privatem Grund verlegt werden. Inzwischen ergänzen die offiziellen „Erinnerungszeichen" der Stadt das Bild im öffentlichen Raum – und machen die Spuren der Vergangenheit an immer mehr Orten sichtbar.
Wo genau findest Du die Gedenkzeichen?
Die Zeichen verteilen sich über ganz Bogenhausen. In der Ismaninger Straße 95 etwa wurde an die Familie Feuchtwanger erinnert. Auch in der Holbeinstraße 9 und entlang der Prinzregentenstraße finden sich Spuren jüdischen Lebens, das gewaltsam ausgelöscht wurde.
Ein besonders eindrückliches Zeichen steht in der Maria-Theresia-Straße: Die dortigen Erinnerungszeichen für ehemalige jüdische Bewohner der Villenkolonie machen deutlich, wie tief die Ausgrenzung in die bürgerliche Gesellschaft Bogenhausens hineinreichte. Die Verlegedaten werden regelmäßig durch die Koordinierungsstelle der Stadt München und private Initiativen wie den Verein „Stolpersteine für München e.V." aktualisiert. Aktuelle Listen findest Du auch in den Protokollen des Bezirksausschuss 13 Bogenhausen (BA 13), der diese Projekte häufig unterstützt.
Ein Spaziergang durchs Viertel – von Quartier zu Quartier
Ein guter Startpunkt ist der Prinzregentenplatz. Von dort führt der Weg über den Bogenhausener Kirchplatz bei St. Georg weiter nach Norden. In den östlichen Vierteln wie Denning oder Englschalking sind die Gedenkzeichen seltener zu finden – aber gerade deshalb umso wichtiger. Eine Route könnte Dich vom Cosimabad über den Denninger Anger bis nach Daglfing führen, wo oft politisch Verfolgte oder Menschen, die als „asozial" stigmatisiert wurden, ihren letzten frei gewählten Wohnsitz hatten. Die digitale Karte der Stadt München hilft Dir dabei, die genauen Standorte per Smartphone zu finden.
Die Geschichten hinter den Namen
Hinter jeder Plakette steht ein Mensch, der in unserem Viertel eingekauft hat, zur Schule ging oder abends im Garten saß.
Jüdische Familien und politisch Verfolgte
Ein bewegendes Beispiel ist das Schicksal der Familie Landauer. Kurt Landauer, der legendäre Präsident des FC Bayern, ist vielen ein Begriff – seine Geschichte ist eng mit Bogenhausen verknüpft. Doch auch weniger bekannte Namen mahnen uns, etwa die Familie Jordan in der Mauerkircherstraße. Sie wurden aus ihren Wohnungen vertrieben, ihr Eigentum „arisiert". In den Arbeitervierteln wie Zamdorf oder Johanneskirchen traf es häufig Menschen, die sich dem Regime widersetzten oder aufgrund ihrer Herkunft ins Visier der Gestapo gerieten.
Wenn das Viertel selbst erinnert: Initiativen und Schulen
Oft sind es Schülerinnen und Schüler – etwa vom Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium –, die Patenschaften für Gedenkzeichen übernehmen. Sie recherchieren in Archiven, sprechen mit Nachfahren und gestalten die Verlegungen mit. Auch Hausgemeinschaften entscheiden sich immer häufiger gemeinsam dafür, ein Erinnerungszeichen an ihrer Fassade anzubringen. Das ist gelebte Nachbarschaft, die über Generationen hinweg reicht.
So funktioniert Gedenken in München
Wer in Bogenhausen ein Gedenkzeichen setzen möchte, sollte den „Münchner Weg" kennen – ein Verfahren, das lange kontrovers diskutiert wurde.
Von der Idee bis zur Tafel: Antrag, Genehmigung und Pflege
Einen Antrag für ein städtisches Erinnerungszeichen kann jeder stellen – egal ob Angehöriger oder engagierter Nachbar. Die Stadt München prüft die Biografie historisch sorgfältig. Finanziert werden die Zeichen meist durch Spenden oder Patenschaften.
Stolpersteine und Erinnerungszeichen – was unterscheidet sie?
Meine Einschätzung: Der Münchner Kompromiss ist zwar ein bürokratisches Kind, aber er funktioniert heute erstaunlich gut. Die klassischen Stolpersteine – kleine Messingquader im Boden – dürfen in München weiterhin nur auf privatem Grund verlegt werden, etwa im Vorgarten hinter der Grundstücksgrenze. Im öffentlichen Raum setzt die Stadt stattdessen auf Erinnerungszeichen: goldfarbene Tafeln an Fassaden oder freistehende Stelen, die oft auch ein Porträtfoto des Opfers zeigen. Beide Formen erfüllen denselben Zweck – sie bringen uns im Alltag zum Innehalten. Ich finde es wichtig, dass wir beide respektieren, denn sie fordern unterschiedliche Arten des Hinsehens.
Mitmachen und Termine vor Ort
Gedenken ist nichts Statisches – es lebt davon, dass Menschen sich einbringen.
Kommende Verlegungen und Bildungsangebote im BA 13
Die Termine für neue Verlegungen werden meist in der Rathaus Umschau oder auf der Seite des Bezirksausschuss 13 bekannt gegeben. Oft gibt es kleine Zeremonien, zu denen die Nachbarschaft herzlich eingeladen ist – ein guter Moment, um mit den Menschen in Deiner Straße ins Gespräch zu kommen.
Pflege, Projekte und wie Du aktiv werden kannst
Wenn Dir ein Stolperstein auffällt, der dunkel angelaufen ist: Ein wenig Metallputzmittel und ein weiches Tuch bewirken Wunder. Das ist kein Vandalismus, sondern gelebte Pflege. Und wenn Du ein Schulprojekt planst oder in Deinem Haus eine Tafel anbringen möchtest, wende Dich ans Stadtarchiv München. Dort hilft man Dir, die Geschichte Deines Hauses zu entschlüsseln.
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